Weniger Last – mehr Selbstständigkeit: Mit dem Lastenrad durch Neuental
Wohin ihn die erste Fahrt mit dem neuen Lastenrad führen soll, weiß Michael Frick schon genau: zur Kita Lummerland in Neuental. Dort warten kleinere Arbeiten rund um das Außengelände. Seit Juni 2019 arbeitet Michael Frick über einen sogenannten betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz (BiB) der Hephata-Werkstätten auf dem Bauhof in Neuental – und gehört inzwischen fest zum Team. Nun hat die Gemeinde Neuental ein speziell auf ihn und seine tägliche Arbeit zugeschnittenes Lastenrad angeschafft. „Eine wertvolle Investition, um seine Arbeit zu würdigen und ihm gleichzeitig mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen“, sagt Bürgermeisterin Sandra Bischoff.
Rund 10.000 Euro hat das Fahrzeug insgesamt gekostet. Ein Teil der Summe – etwa 4.700 Euro – wurde über ein Förderprogramm der EKM (Energieeffizienz Kommunal Mitgestalten) für Elektromobilität übernommen. Die restlichen Mittel trug die Gemeinde Neuental. Bürgermeisterin Sandra Bischoff betont, dass mit der Anschaffung mehrere Ziele verfolgt werden: „Uns war es wichtig, für unseren Mitarbeiter Michael Frick mehr Mobilität zu schaffen, um ihn so auch flexibler einsetzen zu können. Gleichzeitig steht das Lastenrad aber auch den anderen Kollegen des Bauhofs für kurze Wege zur Verfügung – ganz im Sinne unserer klimabewussten Kommune.“
Die Idee für die Anschaffung entstand bereits vor knapp einem Jahr, erzählt Bauhofsleiter Marcel Domin. „Das Lastenrad wurde gemeinsam mit Fachleuten so zusammengestellt, dass es den Anforderungen des Bauhofs möglichst gut entspricht. Wir haben Aufsätze gewählt, die zu den täglichen Aufgaben passen.“ Dazu gehören beispielsweise das Einsammeln von Müll, Grünpflegearbeiten sowie die Instandhaltung von Straßen und Wegen in öffentlichen Bereichen.
Dass Michael Frick nun eigenständig mit dem Rad zu Einsätzen fahren kann, ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Ein BiB ermöglicht Menschen mit Beeinträchtigung eine Tätigkeit in einem regulären Betrieb, während sie weiterhin an eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) angebunden sind und Unterstützung erhalten. Mit dem neuen Lastenrad kann der 42-Jährige künftig eigenständig zum Einsatzort fahren, Werkzeuge transportieren und Müll entsorgen.
Kira Lichtenfels (Fachdienst für berufliche Integration bei Hephata) betont, dass betriebsintegrierte Arbeitsplätze vor allem dann funktionieren, wenn sie von allen Beteiligten getragen werden. Neben fachlichen Aspekten spielten auch persönliche eine entscheidende Rolle. „Dass Michael Frick hier so selbstständig arbeiten kann, ist zu einem großen Teil der Gemeinde zu verdanken, die ihn dabei täglich unterstützt, und ihm Vertrauen schenkt. Das Team sowie der Bauhofleiter lassen sich bewusst auf die Arbeit mit Menschen mit Unterstützungsbedarf ein – und das kommt sowohl der Gemeinde als auch dem Menschen zugute“, betont auch Thomas Lomp, Job-Coach der WfbM des Geschäftsbereichs Soziale Teilhabe. Er besucht Michael Frick regelmäßig an seinem Arbeitsplatz in Neuental. Die Investition in ein Lastenrad unterstreiche diese gute Zusammenarbeit nun einmal mehr, sagt er.
Für Michael Frick bedeutet das Rad vor allem eines: mehr Selbstständigkeit. Da er keinen Führerschein erwerben kann, waren Wege zu Einsatzorten bislang oft schwieriger zu organisieren. Für ihn selbst steht nun erst einmal die Eingewöhnung an sein neues Arbeitsgerät an, bevor er die ersten Meter in Richtung Kita Lummerland zurücklegt – ganz allein und ganz eigenständig.
